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Recht

Handwerkervertrag

HandwerkervertragSchriftliche Vereinbarung zwischen Auftraggeber und Handwerker über die Leistung

2 Min. Lesezeit

Was ist ein Handwerkervertrag?

Ein Handwerkervertrag regelt die Rechte und Pflichten zwischen Auftraggeber und Handwerker. Er entsteht durch Annahme eines Angebots – auch mündlich ist rechtsgültig, aber schriftlich ist dringend empfohlen. Bei Verbraucherbauverträgen über 5.000 € ist Schriftform sogar Pflicht.

Rechtliche Grundlagen

VertragsartRechtsgrundlageBesonderheiten
Werkvertrag (BGB)§§ 631–651 BGBStandard bei Privatpersonen
VOB/B-VertragVOB/BNur wenn ausdrücklich vereinbart
Verbraucherbauvertrag§ 650i BGBBei Bau-/Sanierungsarbeiten > 5.000 €

Wesentliche Inhalte

InhaltBeschreibungWichtigkeit
VertragsparteienName, Adresse beider Seiten⭐⭐⭐
LeistungsbeschreibungWas wird gemacht (detailliert!)⭐⭐⭐
PreisFestpreis, Einheitspreise, Stunden⭐⭐⭐
ZahlungsbedingungenWann, wieviel, wie⭐⭐⭐
AusführungsterminBeginn, Fertigstellung⭐⭐
GewährleistungDauer, Umfang⭐⭐
VOB oder BGBVertragsgrundlage⭐⭐
Sicherheitseinbehalt5-10% bis Mängelfreiheit

BGB vs. VOB

KriteriumBGBVOB/B
Gewährleistung5 Jahre4 Jahre
AbnahmeAuch konkludentFörmlich empfohlen
MängelbeseitigungFrist setzenFrist angemessen
NachträgeMit VereinbarungGeregelte Abrechnung
Kündigungsrecht§ 648 BGB§ 8 VOB/B

VOB muss ausdrücklich vereinbart werden und der Auftraggeber muss die VOB kennen!

Verbraucherbauvertrag (§ 650i BGB)

Bei privaten Bau- oder Sanierungsarbeiten über 5.000 € gelten besondere Regeln:

RegelInhalt
SchriftformVertrag muss schriftlich sein
BaubeschreibungDetaillierte Beschreibung Pflicht
Widerrufsrecht14 Tage
AbschlägeMax. 90% vor Abnahme
UnterlagenPlanungsunterlagen müssen übergeben werden

Zahlungsplan

MeilensteinTypischer AnteilBei 20.000 € Auftrag
Auftragserteilung0-20%0-4.000 €
Baufortschritt 50%30-40%6.000-8.000 €
Fertigstellung (vor Abnahme)30-40%6.000-8.000 €
Nach mängelfreier Abnahme10-20%2.000-4.000 €

Wichtig: Nie 100% vor Abnahme zahlen!

Wichtige Klauseln

KlauselWarum wichtigMusterformulierung
SchriftformklauselÄnderungen nur schriftlich„Änderungen bedürfen der Schriftform"
FestpreisKeine Nachforderungen„Es gilt ein verbindlicher Festpreis von X €"
FertigstellungsterminVerbindlichkeit„Die Fertigstellung erfolgt bis zum [Datum]"
VertragsstrafeBei Verzug„Bei Verzug 0,2% pro Tag, max. 5%"
SicherheitseinbehaltSchutz vor Mängeln„5% werden bis zur Abnahme einbehalten"

Was NICHT im Vertrag sein sollte

KlauselProblemRechtslage
HaftungsausschlussUnzulässigBei Verbrauchern unwirksam (§ 309 BGB)
„Ca.-Preise" ohne LimitUnbegrenztes RisikoBesser: Kostendach vereinbaren
Vorkasse 100%Hohes RisikoMax. 90% vor Abnahme (§ 650m BGB)
Ausschluss EinbehaltNachteiligVerhandelbar
Kürzere GewährleistungBenachteiligendBei Verbrauchern unwirksam

Muster: Wichtige Vertragsbestandteile

Leistungsbeschreibung (Beispiel Malerarbeiten):

„Der Auftragnehmer verpflichtet sich zur Durchführung folgender Malerarbeiten in der Wohnung [Adresse]:

  • Wände und Decken aller Räume (ca. 120 m²) zweifach streichen mit [Farbe]
  • Türrahmen und Zargen (5 Stück) in Weiß lackieren
  • Untergrundvorbereitung: Spachteln von Rissen und Unebenheiten
  • Abkleben und Abdecken aller nicht zu streichenden Flächen"

Preisvereinbarung:

„Es gilt ein verbindlicher Festpreis von X.XXX,XX € (netto), zzgl. 19% MwSt = X.XXX,XX € (brutto). Nachforderungen sind nur bei zusätzlichen, schriftlich beauftragten Leistungen möglich."

Widerrufsrecht bei Verbrauchern

SituationWiderrufsrecht
Vertrag in Geschäftsräumen❌ Kein Widerruf
Vertrag beim Kunden zu Hause✅ 14 Tage
Telefon/Online-Beauftragung✅ 14 Tage
Nach Beginn der Arbeiten⚠️ Anteilige Zahlung möglich

Tipps für Auftraggeber

  1. Angebot prüfen – Ist alles enthalten?
  2. Schriftlich – Nicht nur mündlich beauftragen
  3. Festpreis – Wann immer möglich
  4. Termine – Verbindlich mit Datum vereinbaren
  5. Sicherheit – 5-10% Einbehalt vereinbaren
  6. Kopie behalten – Unterschriebenes Exemplar aufbewahren
  7. Leistungsbeschreibung prüfen – Ist alles drin?

Tipps für Handwerker

  1. Angebot detailliert – Schützt vor Nachforderungsstreit
  2. Schriftlich bestätigen – Auch bei Stammkunden
  3. VOB nur wenn sinnvoll – Kunde muss sie kennen
  4. ZahlungsplanLiquidität sichern
  5. Änderungen dokumentieren – Nachträge schriftlich
  6. Abnahmeprotokoll – Für klare Gewährleistungsfrist

Checkliste vor Vertragsunterzeichnung

  • Alle Leistungen detailliert beschrieben?
  • Festpreis oder Kostendach vereinbart?
  • Zahlungsplan festgelegt?
  • Fertigstellungstermin verbindlich?
  • Gewährleistungsregelung klar?
  • Sicherheitseinbehalt vereinbart?
  • Beide Parteien haben unterschrieben?
  • Kopie für beide Seiten?

Häufige Fragen zu Handwerkervertrag

Muss ein Handwerkervertrag schriftlich sein?
Nein, ein mündlicher Vertrag ist rechtsgültig. Aus Beweisgründen ist ein schriftlicher Vertrag jedoch dringend empfohlen. Nur bei Verbraucherbauverträgen über 5.000 € besteht Schriftformerfordernis (§ 650i BGB).
Was muss in einem Handwerkervertrag stehen?
Mindestens: Vertragsparteien, detaillierte Leistungsbeschreibung, Preis (Festpreis/Stundensatz), Zahlungsbedingungen, Ausführungstermin und Gewährleistungsregelungen. Zusätzlich empfohlen: VOB-Vereinbarung und Sicherheitseinbehalt.
Welche Gewährleistung gilt bei Handwerkerarbeiten?
Nach BGB beträgt die Gewährleistung 5 Jahre für Bauwerke, 2 Jahre für sonstige Werkleistungen. Nach VOB/B sind es 4 Jahre. Die VOB muss ausdrücklich vereinbart werden.
Kann ich vom Handwerkervertrag zurücktreten?
Ja, bei Verbraucherverträgen haben Sie 14 Tage Widerrufsrecht, wenn der Vertrag außerhalb der Geschäftsräume geschlossen wurde. Nach Beginn der Arbeiten kann der Rücktritt eingeschränkt sein.